Writings: Dizzy Nürnberger

Bilder by Dizzy Nürnberger

Dougie Thomson, Dizzy Nürnberger und Gerry Schmidt. Nürnberg 1989. Foto: Gerd Dollhopf.

Die Menschen, die Thomson malt sind sicherlich keine schönen Menschen. Ihre Köpfe sind eingezwängt in die Leinwände wie übernächtigte Gesichter in Verzerrspiegel. Klotzige Köpfe, narbig und rissig, starren aus den Rahmen bar jeder klassischen Schönheit; eher angelehnt an Bosch und Breughel, doch ohne jemals grotesk zu wirken. Trotz ihrer monumentalen Starrheit wirken sie doch lebendig, mit Gefühlen und Fehlern wie wir alle.

Doch Douglas Thomsons Bilder sind keine Porträts im allgemeinen, noch sind sie Charakterstudien. Der Maler zeigt in den meisten Kompositionen, Köpfe mit starren Augen, der Nase im Profil, einem zusammengekniffenen Mund und zumeist einem Ohr, die reduzierte Darstellung des menschlichen Seins. Seine "Tote Stadt" stellt sich dar, nicht im Verfall von Baulichkeiten, sondern in der Kraftlosigkeit seiner Bewohner. So sind diese großartigen Bilder auch als Mahnung zu verstehen, als Mahnung an uns alle.

Tote Stadt

Douglas Thomsons Malerei lebt von der Zurückführung auf einfache Formen menschlicher Universalität. Dem Ausdruck der fast primitiv wirkenden Zeichnung und der expressiven Malweise bei der oft mehrmals übermalt wird und die deutliche Faktur, ob eingekratzt oder ausgeschabt, die Kraft der künstlerischen Arbeit ausmacht. Daraus erhalten seine Köpfe auf der Leinwand den Duktus von Skulpturen und den Raum, der sie so plastisch macht. Eleganz ist nicht erwünscht, die veränderung findet bis zum Schluß im Malvorgang statt und dieser endet jeweils als ganz persöliche Mitteilung an die Mitmenschen, vielleicht auch als die Bitte um mehr Verständnis füreinander um damit mehr Miteinander zu erreichen.

Dizzy Nürnberger
1940 - 1997